Der Rechnungsabschluss 2025 der Marktgemeinde Ebensee wurde, weil „deutlich besser als geplant“, als Erfolg verkauft. Der nüchterne Blick zeigt aber: Gefeiert wird ein kleineres Minus – kein Plus.
Stellen Sie sich vor, Sie geben Jahr für Jahr mehr aus, als Sie einnehmen – und feiern das als Erfolg, weil das Minus kleiner ausfiel als befürchtet. Ungefähr so wurde der Rechnungsabschluss 2025 der Marktgemeinde Ebensee von manchen auf Social Media und in Parteiblättern präsentiert: „deutlich besser“ als geplant. Der nüchterne Blick zeigt aber ein deutlich anderes Bild.
Unterm Strich bleibt ein Minus von über einer Million
Am Ende des Jahres steht ein Minus von rund 1,1 Millionen Euro im Ergebnishaushalt. Das Ergebnis der laufenden Geschäftstätigkeit beläuft sich auf minus 557.279 Euro. Ebensee wirtschaftet strukturell im Minus.
Ja, geplant war ein noch größeres Minus – aber „weniger Verlust als geplant“ ist eben kein Gewinn und auch kein "Sparen".
Ebensee bleibt eine sogenannte Härteausgleichsgemeinde – eine von rund der Hälfte aller oberösterreichischen Gemeinden, die ihren Haushalt nicht aus eigener Kraft ausgleichen können. Die Gründe hierfür sind vielfältig. Einige davon liegen außerhalb der Einflusssphäre unserer Marktgemeinde, manche jedoch keineswegs.
Über 4.000 Euro Schulden – pro Kopf
Während der vermeintliche Erfolg in Jubel-Postings auf Social Media und Parteinachrichten gefeiert wurde, zeichnen die Schulden ein klares Bild. Die langfristigen Finanzschulden der Gemeinde sind von 28.679.175 Euro (Ende 2024) auf 30.193.988 Euro (Ende 2025) gestiegen – ein Zuwachs von rund 1,51 Millionen Euro. Neue Darlehen wurden in Höhe von 3.396.000 Euro aufgenommen, Tilgungen betrugen 1.919.000 Euro.

- Bezogen auf die 7.470 Einwohnerinnen und Einwohner (Statistik Austria, Stand 31.10.2023) bedeutet das:
- Schuldenstand Ende 2024: 3.839 Euro je Einwohner:in
- Schuldenstand Ende 2025: 4.042 Euro je Einwohner:in
- Zunahme der Schulden 2025: +203 Euro je Einwohner:in
Jede Ebenseerin und jeder Ebenseer trägt also über 4.000 Euro an Gemeindeschulden – Tendenz steigend.
Gleichzeitig ist das Vermögen der Gemeinde erstmals seit Jahren geschrumpft, ebenfalls um rund 1,5 Millionen. Mehr Schulden, weniger Substanz – das ist die eigentliche ernüchternde Bilanz.
Woher kam die Verbesserung wirklich?
Von der Gesamtverbesserung gegenüber dem Voranschlag stammt der Löwenanteil nicht aus echten Einsparungen, sondern lässt sich im Wesentlichen auf drei Quellen zurückführen.
Kommunalsteuer: Pumpspeicher-Sonderkonjunktur, nicht eingeplant
Die Kommunalsteuer sprudelte 2025 mit 2.525.849 Euro – das sind 425.849 Euro mehr als die geplanten 2.100.000 Euro. Das Mehr an Kommunalsteuer ist ein begrüßenswerter Einmaleffekt. Die Bauarbeiten beim Pumpspeicher sind noch bis Anfang 2028 geplant. Es ist zu befürchten, dass die Einnahmen in der Folge deutlich zurückgehen werden.
Strom: Der Voranschlag war nachweislich zu hoch gegriffen
- Beim Energieaufwand (Strom über alle Haushaltsbereiche) zeigt sich ebenso ein aufschlussreiches Bild:
- Ursprünglicher Voranschlag (VA): 494.700 Euro
- Nachtrag (NVA): 464.100 Euro (um 30.600 Euro leicht korrigiert, aber noch immer weit über dem Ist)
- Rechnungsabschluss 2025 (Ist): 311.818 Euro
- Unterschreitung gegenüber VA: – 182.882 Euro
Nun mag es sein, dass es aufgrund teilweiser Umstellung auf LED-Lampen tatsächlich zu Einsparungen gekommen ist und in Zeiten volatiler Energiepreise ist eine vorsichtige Planung auch zu begrüßen. Das Verkaufen dieser Unterschreitung als großen Erfolg lässt aber dann doch etwas nachdenklich zurück.
Investitionen massiv unter Plan – der NVA erhöhte den Polster sogar noch
- Das auffälligste Ergebnis findet sich jedoch im Investitionsbereich:
- Ursprünglicher Voranschlag (VA): 4.256.000 Euro
- Nachtragsvoranschlag: 5.246.000 Euro – im Nachtrag wurde das Budget sogar um 990.000 Euro erhöht
- Rechnungsabschluss 2025 (Ist): 2.164.000 Euro – nur 41 % des NVA-Plans realisiert
Nicht realisierte bzw. nicht fertiggestellte Investitionen verbessern zwar die kurzfristige Kassenlage, sind aber keine Einsparung – sie sind aufgeschobene Ausgaben und (noch) nicht umgesetzte politische Versprechen.
Fazit: Solide Arbeit – aber bitte ohne Schönfärberei
Die Leistung der Verwaltung und der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unter schwierigen Bedingungen verdient Anerkennung. Was die Ebenseer Bevölkerung aber genauso verdient, ist eine ehrliche Darstellung.
Die Fakten auf einen Blick
- Ergebnis unterm Strich 2025 -> – 1.104.787 €
- Laufendes Geschäft -> – 557.279 €
- Schuldenstand 31.12.2025 -> 30.193.988 €
- Schulden pro Kopf -> 4.042 €
- Schuldenanstieg 2025 -> + 1.514.812 €
- Rückgang Gemeindevermögen -> – 1.466.189 €
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Matthäus Schmied
Vereinsobmann Bürgerliste für Ebensee
Gemeinderat
Obmann Prüfungsausschuss
Mitglied Verkehrsausschuss


